Haus der Kulturen der Welt

 

Der Berliner ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für seine ruppige Art und den flapsigen Sprachgebrauch. Steigen Touristen am Flughafen in ein Taxi, erleben die meisten direkt einen Kulturschock, wenn der Taxifahrer sie mit einem „Na, wat denn jetzt? Wohin willste?“ begrüßt.

Mittlerweile gibt es dafür sogar ein eigenes Wort: Der Berolismus. Ein typisches Beispiel ist, dass sich der Berliner Spitznamen und spöttische Bezeichnungen für Sachen oder Personen ausdenkt, die sich dann in der ganzen Stadt verbreiten. Wir zeigen euch in unserem ersten Teil der Reihe „So nennen Berliner ihre Sehenswürdigkeiten„, 12 Bauwerke, die der Berliner meist gar nicht mehr bei seinem ursprünglichen Namen, sondern nur noch beim Spitznamen kennt. Viel Spaß!



„Bonnies Ranch“
Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik

Die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf kennen viele Berliner nur als „Bonnies Ranch„. Im Jahr 1880 noch mit der offiziellen Beschreibung „Irrenanstalt“ gegründet, wurde aus ihr später eine Heilstätte und dient heute als forensische Psychiatrie für Straftäter. Ihren Spitznamen bekam die Klinik vor allem durch Erzählungen von Anwohnern, die von seltsamen Begegnungen mit Patienten (darunter sogar Klaus Kinski) und gruseligen Geräuschen in der Nacht erzählten. Der Mythos von „Bonnies Ranch“ und all den Sagen, die sich hinter den hohen Steinmauern abgespielt haben sollen, blieb bis heute bestehen.

Bonnies Ranch
„Café Achteck“
Alles andere als gemütlich

Im „Café Achteck“ bekommt ihr weder Espresso, geschweige denn ein leckeres Stück Kuchen. Der Berliner meint damit die grünen, achteckigen Pissoirs die ihr vielleicht schon mal in der Stadt gesehen habt. Heute existieren noch rund 30 davon – z.B. auf dem Chamissoplatz im Bergmannkiez oder auf dem Gendarmenmarkt. Bei ihrem Erstentwurf im Jahr 1878 befanden sich noch über 140 der markanten Bedürfnisanstalten auf den Straßen.

„Die Goldelse“
Siegessäule

Die Maße der „goldenen Else“ sind: 8,30 Meter Höhe, 35 Tonnen Gewicht. Na, schon eine Ahnung? Die Rede ist von der vergoldeten Bronzefigur auf der Spitze der Siegessäule. Die „Else“ ist eigentlich die Siegesgöttin Viktoria aus der römischen Mythologie und wurde anlässlich des Sieges Preußens im Deutsch-Dänischen Krieg im Jahr 1864 gebaut.

Mehr Informationen zur Siegessäule bekommt ihr in unserem ausführlichen Artikel.

Siegessäule Nahaufnahme
„Hungerharke“
Luftbrücken-Denkmal

Den Spitznamen „Hungerkralle“ gaben die Berliner dem 1951 erbauten Luftbrückendenkmal vor dem Tempelhofer Flughafen. Der große Steinbogen hat am oberen Ende drei nach Westen gerichtete Pfeiler, die so manchen stark an „Krallen“ oder eine „Harke“ erinnerte. Das Denkmal ist eine Erinnerung an die Rosinenbomber, die Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Hilfsmitteln versorgten.

„Telespargel“
Berliner Fernsehturm

Das ist einfach, oder? Mit dem „Telespargel“ ist natürlich unser 368 Meter hoher Fernsehturm am Alex gemeint. Dieser Spitzname hat sich mittlerweile im ganzen Land rumgesprochen. Lustig ist, dass sich der Beiname nie bei den Berlinern durchgesetzt hat. Man geht heute davon aus, dass ehemalige DDR-Offizielle das Wort etablieren wollten – der Plan ist nicht aufgegangen.

Mehr Informationen zum Fernsehturm bekommt ihr in unserem ausführlichen Artikel.

Fernsehturm Berlin
„Schwangere Auster“
Haus der Kulturen der Welt

Wer schon immer mal wissen wollte, wie eine schwangere Auster aussehen könnte, der besucht das Haus der Kulturen der Welt am Großen Tiergarten. Das orangefarbene Gebäude bekam Berlin von den USA geschenkt. Heute werden hier Kulturveranstaltungen und künstlerische Produktionen aus aller Welt präsentiert.

Mehr Informationen zum Haus der Kulturen der Welt bekommt ihr in unserem ausführlichen Artikel.

Haus der Kulturen der Welt
„Kommode“
Juristische Fakultät der Humboldt-Universität

Seinen ungewöhnlichen Spitznamen bekam die Juristische Fakultät der HU von niemand geringerem als dem preußischen König Friedrich II. – besser bekannt als der „Alte Fritz„. Auf die Frage des Baumeisters Georg Christian Ungers, wie er sich das Gebäude denn vorstelle, antwortet er gelangweilt „Wie den Kasten da“ und zeigte dabei auf eine alte Kommode. Der „Kasten“ entstand 1775 und war, bevor er zur Humboldt-Universität gehörte, die Königliche Bibliothek.

Juristische Fakultät der Humboldt-Universität
„Retourkutsche“
Quadriga auf dem Brandenburger Tor

Die filmreife Geschichte zu diesem Spitznamen beginnt im Jahr 1806: Nach der gewonnenen Schlacht bei Jena und Austerlitz ließ Napoleon die Quadriga kurzerhand demontieren und brachte sie nach Paris, wo sie nun ihr neues Zuhause bekommen sollte. Einen schönen Standort hatte er sich für die gewonnene Trophäe bereits ausgedacht. Dazu kam es nicht: Napoleon wurde währenddessen entmachtet und die Preußen holten sich ihre Quadriga wieder zurück, in ihr altes Zuhause, hoch oben auf das Brandenburger Tor.

Mehr Informationen zum Brandenburger bekommt ihr in unserem ausführlichen Artikel.

Quadriga auf dem Brandenburger Tor
„Gürteltier“
Ludwig-Erhard-Haus

Ein weiteres Berliner Gebäude, bei dem man einen besonders kreativen Architekten engagierte. Das Ludwig-Erhard-Haus in Charlottenburg erinnert, vor allem aus der Vogelperspektive, sehr stark an ein schuppiges Gürteltier.

Ludwig-Erhard-Haus
„Langer Lulatsch“
Funkturm

Mit dem „Langen Lulatsch“ meint der Berliner den 150 Meter hohen Funkturm, ganz im Westen der Stadt. Zusammen mit dem Fernsehturm ist er der bekannteste Sendemast der Stadt und hat, ebenso wie sein großer Bruder, ein Restaurant in windiger Höhe. Modernste LED-Technik lassen den Funkturm übrigens Tag und Nacht strahlen: Es können unterschiedliche Lichter für spezielle Veranstaltungen eingestellt werden und sogar Wasserfall-, Flammen-, und Regenbogeneffekte machen den Lulatsch zu einem wahren Kunstwerk.

Mehr Informationen zum Funkturm bekommt ihr in unserem ausführlichen Artikel.

Funkturm - Bei Nacht
„Pickelhaube“
Reichsbahn-Wasserturm am Ostkreuz

Als „Pickelhaube“ bezeichnen Berliner den Wasserturm am Bahnhof Ostkreuz, der ehemals als Wasserversorgung für Dampflokomotiven genutzt wurde. Durch seine auffällige Bauweise und dem spitzen Dach meinten viele Anwohner eine Pickelhaube zu erkennen. Und, ja, auch wir finden, das ist eindeutig eine Pickelhaube die man dort hingebaut hat!

„Spinnerbrücke“
Spanische-Allee-Brücke

Ein weiteres Bauwerk, dessen Spitzname mittlerweile geläufiger ist als der eigentliche Name, ist die „Spinnerbrücke“ in Nikolassee. Die Spanische-Allee-Brücke gelangte zu ihrem Spitznamen bereits 1920, da „Spinner“ von ihr einen guten Blick auf die erste Schnellstraße Berlins bekamen, auf der Motorräder und Autos ordentlich Gas gaben. Heute ist die „Spinnerbrücke“ Deutschlands bekanntester Treffpunkt für Berliner und Brandenburger Motorrad- und Radfahrer.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.